Bauwerk des Jahres - Bisherige Preisträger
vorheriges Bauwerk 2012
nächstes Bauwerk 2012

Bauwerk des Jahres 2012

Wohntürme in Eilbek

 
Projekt:
Wohntürme in Eilbek, Grete-Zabe-Weg, Baufeld 6
Bauherr:
Wph – Wohnbau und Projektentwicklung Hamburg GmbH, Otto Wulff Bauunternehmung GmbH & Co KG
Architekt:
LRW Architekten, Hamburg
Tragwerksplanung:
Otto Wulff Bauunternehmung / S. Riekmann
 
In jüngerer Zeit wird wieder viel Wohnungsbau in Hamburg betrieben, so dass man meinen müsste, aus der großen Zahl sei es ein Leichtes, qualitätvolle Beispiele herauszufiltern. Das dieses aber genau so wenig der Fall ist, wie in früheren Zeiten, beweisen die Unzahl von Wohnbauten, die zunächst bestechen, weil sie den Glanz der neuen Materialien und frischen Farben vermitteln. Bei näherem Hinsehen entdeckt man aber nichts als die guten alten Grundrisse der 2 oder 3-Spänner und in der Ausformung der Baukörper den gewonnenen Kampf der Bauökonomen, die jede Ecke, jeden Vorsprung mit einer Kostenbremse belegen und so die Langeweile im Wohnungsbau vorprogrammieren.

Umso erfrischender diese zwei 8-geschossigen „Wohntürme“! In einer Randlage auf dem Grundstück des alten Eilbeker Krankenhauses belegen, ohne irgendeine Beziehung zur alten Bebauung, setzen sie neue Maßstäbe!

Ja, sie profitieren natürlich von dieser Lage: Der Lage am Grünzug der Eilbek und von der Nähe zum S-Bahnhof Friedrichsberg. Die Lage, die Lage, die Lage, diese drei Kriterien aus alter Makler-Weisheit führten wohl dazu, dass die Ökonomen zugunsten einer lebendigeren Gestaltung der beiden Baukörper nicht so streng mit den Planern umgegangen sind.

Die Architektinnen nutzten das erfolgreich: Die Grundrisse vom Erd- und erstem Obergeschoss lassen noch die Grundform des Quadrats erkennen, das sich in seiner räumlichen Entwicklung als gemauerter Quader deutlich ablesbar durch alle Geschosse zieht, und erst im „Penthouse“ sich auflöst und damit dem Gebäude einen Abschluss nach oben hinverleiht.

In den mittleren Geschossen brechen Loggien als filigrane weiße Betonkonstruktionen mit unterschiedlichen Verglasungen und Erker als Raumerweiterungen mit auffallenden und wechselnden Eckgestaltungen heraus. Der Baukörper gewinnt dadurch eine besondere räumliche Qualität, wird so zu einem plastischen Gebilde, das mit seiner Vielfalt von Öffnungen, dem Wechsel von geschlossenen und offenen Flächen -in fast jedem Geschoss anders – besticht.

Und wenn eben von einem „aufgelösten“ Penthouse die Rede war, so gilt das für den Kern des Baukörpers. Der diesem Kern Festigkeit verleihende, durch alle Geschosse sich ziehende Backsteinmantel schließt sich oben aber wieder so, dass die Fanfarenstöße der Mittelgeschosse wieder in einem ruhigen Andante enden.

Die hier gezeigten Grundrisse sind nur Vorgaben der Architektinnen, welche diese im weiteren Entwurfsprozess mit den dazu gekommenen Nutzern variiert oder auch um die festen Installationskanäle herum völlig neu gestaltet haben, so dass tatsächlich in jedem Geschoss andere Grundrisse entstanden sind, und so die ursprünglich frei entwickelte Fassadenvielfalt ihre innere Entsprechung erhalten hat.

Statisch war das möglich durch die aussteifende Wirkung des mittig angeordneten Treppenhauses mit dem Fahrstuhlblock und der Wohnungstrennwand. Alle anderen Wände sind reine Raumteiler, so waren letztlich die völlig unterschiedlichen Grundrisse in den Geschossen möglich.

Und auch wenn man heute die alte Lehre von „Wand auf Wand“ scheinbar nicht mehr wahrnimmt, so zeigt ein dritter Blick auf die Grundrisse, dass hier nicht der Spieltrieb der Architektinnen ausufernd gewirkt hat, sondern die ordnende Hand des in der Zusammenarbeit offenbar erfahrenen Ingenieurs immer wieder durchscheint, was der Gestaltung zugute gekommen ist.

Bei allem Wandel im Laufe des Entwurfsprozesses: Geblieben ist das von vorn herein angelegte Konzeptvon Maisonette-Wohnungen in den Sockelgeschossen sowie die frei sich entwickelnde Penthouse-Wohnung mit Dachterrasse in den beiden obersten Geschossen. So bedurfte es eigentlich nicht der unterschiedlichen Wünsche der Wohnungseigentümer . Sie sind aber das i-Tüpfelchen zu diesem gemeinsamen Werk von Architektinnen, Bauherrn und Nutzern sowie dem Ingenieur.

So bleibt nur zu wünschen, dass von diesen beiden Bauten eine Signalwirkung ausgeht, auf die ja folgende Bebauung der noch als Brache wirkenden Nachbarschaft.

Gerhard Hirschfeld

Im Oktober 2013

Fotos: Cordelia Ewerth

Aktuelle Preisträger
Bisherige Bauwerke
Preisträger 2012

Innenraum der Kirche St. Katharinen (Sonderpreis Denkmalpflege)

Die Hauptkirche St.Katharinen, zwischen 1320 und 1420 als gotische Basilika … Mehr dazu

Grundschule Barlsheide, Bornheide

Bildung ist Bedingung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. An den … Mehr dazu

Betriebsgebäude Ernst-August-Schleuse

!--[if !mso]> ![endif]-->Wenn man der zur Internationalen Bauaustellung IBA in … Mehr dazu

Ökumenisches Forum Hafencity

Das ist ein Novum: Obwohl sich das Bauen mit Baugruppen längst etabliert hat, … Mehr dazu
nach oben