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Bauwerk des Jahres 2005

Doppelhäuser Oldenfelder Straße in Rahlstedt

 
Projekt:
Doppelhäuser Oldenfelder Straße in Rahlstedt
Bauherr:
Thomas Grüter
Architekt:
Peter Olbert
Tragwerksplanung:
Wetzel & von Seht, Hamburg
 
Ein verwildertes Biotop, eigentlich gar kein Baugrundstück, in zweiter Reihe hinter den Vorstadtvillen an der Oldenfelder Straße, zu etwa einem Viertel bedeckt von Überschwemmungsteichen der Wandse und rückwärtig durch den Bahndamm der Strecke Hamburg – Lübeck begrenzt. Diese Voraussetzungen fanden die Architekten und Freiraumplaner vor, als sie den Auftrag erhielten dieses Arreal unter dem städtebaulichen Leitmotiv „Nachverdichtung“ für eine Wohnbebauung nutzbar zu machen.

Wie vor Sysiphus lag ihnen ein ganzer Berg von Hemmnissen, Auflagen und Beschränkungen im Weg: Nachbarliche Belange, natur- und wasserrechtliche Kriterien, Baumbestand, Lärmschutz, Gründungsprobleme usw. Man muss als Planer und Bauherr schon über viel Optimismus und Mut verfügen, wenn man angesichts all dieser Hindernisse unbeirrt seiner Vision treu bleibt.

VergrößernDem Bild vom „Wohnen im Park“ folgend entwickelten die Architekten den städtebaulichen Vorgaben der Bebauung an der Oldenfelder Straße entsprechend drei moderne Doppelhausvillen, die sie an der Kante des Feuchtraumbiotops in locker gestaffeltem Abstand zum Bahndamm fluchtgleich hinter den Altbauten positionierten. Es entstand eine zusammenhängende Gesamtanlage Zäune oder Hecken mit einer sehr großzügigen, halbprivaten Atmosphäre. Dennoch sind die Außenflächen im Nahbereich der Häuser sehr eindeutig ihren jeweiligen Nutzern zuzuordnen.

Durch die untereinander versetzt angeordneten Häuser werden störende Einblicke der Nachbarn in die Wohnungen vermieden. Das Prinzip der Tiefenstaffelung setzt sich durch einen Versatz der Geschosse auch bei den Häusern selbst fort. Durch die nur in den Obergeschossen in die Feuchtbiotopflächen hineinragenden Baukörper wird eine direkte Überbauung dieser geschützten Grundstücksflächen vermieden.
Die „Doppelhaushälften“ liegen so nicht nebeneinander, sondern hinter- und übereinander. Durch die verschobenen Geschosse entstehen in den Obergeschossen großzügige, nach Westen orientierte Dachterrassen.
Das konzeptionelle Prinzip der Schichtung spiegelt sich in der Gestaltung der Fassaden, die geschossweise im Wechsel zwischen Sichtbeton, hellem Putz und mattglänzenden Metalloberflächen variieren. Ergänzt durch Naturholzoberflächen der Fensterprofile entsteht eine klare und aufgelockerte Anmutung ohne überflüssige Zutaten und Spielereien. Vergrößern

Die Konzeption der maisonetteartigen Wohneinheiten ermöglicht im Zusammenspiel mit der Konstruktion, die ohnetragende Innenwände auskommt, variabel und bedarfsgerecht aufteilbare Grundrisse.
Die komplexen Planungsvorgaben sowie der nur sehr gering tragfähige Baugrund stellten auch an dieTragwerksplanung der Häuser überdurchschnittliche Anforderungen. Ihre ganz besondere Prägung aber erhält die Anlage durch die überaus großzügige Gestaltung der parkartigen Außenanlagen, die dem Arreal im Wechselspiel zwischen Wasserflächen, Baumbestand und Gartenanlage die Auraeines naturbelassenen Landschaftsraumes verleihen.
Insgesamt also ein Beispiel dafür, wie auch unter äußerst schwierigen Voraussetzungen im Zusammenwirken von Bauherrn, Architekten, Freiflächenplanern und Ingenieuren letztlich überzeugende Lösungen entwickelt werden können.  Wie so oft im Leben zeigt sich auch hier: Je höher die Hindernisse desto besser das Ergebnis.

Gerhard Hirschfeld

Fotos 1+2: Peter Olbert
Fotos 3+4: Christian Schaulin

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