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Bauwerk des Jahres 2013

Sprach- und Bewegungszentrum

 
Projekt:
Sprach- und Bewegungszentrum, Rotenhäuser Damm 40
Bauherr:
GMH Gebäudemanagement Hamburg GmbH
Architekt:
eins:eins architekten BDA Hamburg
Tragwerksplanung:
imagine structure GmbH Frankfurt
 
Leben ist Bewegung. Ein Gebäude, das dem Lernen dient, vereint Ruhe und Dynamik.
Das Ausführen von konkreten Handlungen beim Erlernen einer Sprache unterstützt den Spracherwerb effektiv. In Wilhelmsburg wurde innovativ dem Gedanken der Verbindung körperlicher Aktivität mit bewusstem Lernen Raum gegeben.

Eine neue Bildungslandschaft zu schaffen - dieser Herausforderung stellt sich die „Bildungsoffensive Elbinseln". Ein zentraler Baustein ist das neu erbaute Sprach- und Bewegungszentrum im Reiherstiegviertel. Als IBA-Exzellenzprojekt wurde dieses Zentrum ökologisch, ressourcenschonend gebaut. Es fördert die Integration und Chancengleichheit, Gemeinsinn, Verantwortungsübernahme und soziale Kompetenz. Das Gebäude bietet als Schulbau großzügig einer Zweifeld-Sporthalle, Seminar- und Bewegungsräumen, und im multifunktionalen Foyer, einem Café Platz.

Das Konzept des Sprach- und Bewegungszentrums enthält als Grundgedanken die Förderung des Spracherwerbs durch Bewegung. In Wilhelmsburg und der Veddel leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. So kommen die Kinder aus der Schule Rotenhäuser Damm, die das neue Sprach- und Bewegungszentrum für den Sportunterricht nutzt, aus 23 Nationen und haben etwa 20 unterschiedliche Herkunftssprachen. Gute Sprachkenntnisse bilden eine notwendige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und soziale Integration. Das Sprach- und Bewegungszentrum bietet Sprachförderung in Verbindung mit Bewegung und Kommunikation. Als außerschulischer Lernort wird das Zentrum zum integrierten Baustein im kommunalen Bildungsnetzwerk.

Bewegungsreize sind für das Gehirn Wachstumsreize. Alles Leben drückt sich in Bewegung aus. Wie Moshé Feldenkrais feststellte, braucht das Lernen immer den ganzen Menschen und alles Lernen, an dem Muskeltätigkeit nicht direkt beteiligt ist, ist schlechtes Lernen. Und das gilt für jedes Lebensalter. Im Sprach- und Bewegungszentrum sollen Sprachentwicklung und Spracherwerb aller Altersklassen gefördert werden. Neben Sportunterricht, Fußballturnieren, Thaiboxen und indischer Kampfkunst gibt es breitgefächerte Angebote wie internationale Kindertanzgruppen, Sprachkurse für Mütter, Jedermannsport bis hin zu Kommunikations- und Konflikttraining.

Architektur kann überraschen und sich dort bemerkbar machen, wo man es nicht erwartet. Die Architektur des Sprach- und Bewegungszentrums zeigt sich gradlinig im Äußeren. Die Gebäudehülle wurde aus recycelten Backsteinen errichtet und fügt sich damit wenig prätentiös und eher spartanisch in das Straßenbild ein. Eine klare Gliederung und die Öffnung nach außen, durch große Fensterflächen, schaffen Kontakt zu einem angrenzenden Parkgelände mit Spielflächen; verspiegelte, flächenbündige Fensterbänder betonen die großzügige Fenstergestaltung.

Im Kontrast zur zurückhaltenden Erscheinung des Äußeren überrascht die Innengestaltung durch Farben, weite Durchblicke und Sichtbezüge. Der konisch zulaufende Raum der offenen Treppe, die Foyer und obere Etage mit den Seminar- und Bewegungsräumen verbindet und gleichzeitig als Bühne oder Zuschauertribüne oder als ein Ort der Kommunikation genutzt werden kann, ist mit kräftiger Farbgebung versehen.

Ein Panoramafenster im Obergeschoss ermöglicht die Teilnahme am Geschehen in der Sporthalle mit ihrer prägnanten Farbigkeit. Die Seminar- und Bewegungsräume haben vielfältige Blickbezüge und Zugänge. Diese Multifunktionalität ist Grundlage für Bewegungsvielfalt und bietet verschiedensten Lernszenarien Platz. Den Initiatoren, Auftraggebern und Architekten ist es beispielhaft gelungen einen kulturstiftenden Ort zu schaffen, der im wahrsten Sinne des Wortes multifunktional ist. Die Sprache der Architekten trägt der Vielfalt Rechnung.

Deshalb überreicht heute der Architekten- und Ingenieurverein Hamburg die Auszeichnung „Bauwerk des Jahres 2013“ für den Neubau des Sprach- und Bewegungszentrums am Rotenhäuser Damm an GMH Gebäudemanagement Hamburg GmbH als Bauherr, an die Architekten eins:eins architekten BDA Julian Hillenkamp & Christoph Roselius Hamburg sowie an die Tragwerksplaner imagine structure GmbH Frankfurt.


Karl-Heinz Schneider
30.10.2014

Fotos: Bernadette Grimmenstein

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