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Bauwerk des Jahres 2015

Gymnasium Hoheluft

 
Projekt:
Gymnasium Hoheluft
Bauherr:
SBH Schulbau Hamburg
Architekt:
BIWERMAU Architekten BDA, Hamburg
Tragwerksplanung:
WTM Engineers GmbH, Hamburg (bis Lph 3) und Mathes Beratende Ingenieure GmbH (ab Lph 4)
 
Wir schreiben das Jahr 2015. Die Zahl der Schüler in Hamburg wächst mit großer Geschwindigkeit. An der Christian-Förster-Straße nimmt der Neubau des Gymnasiums Hoheluft seinen Betrieb auf. Mit Mitteln des "Rahmenprogramms Schulbau“ konnte der Erweiterungsbau der erst 2012 gegründeten Schule durch den Schulbau Hamburg SBH als Bauherrn realisiert werden. Für eine Bausumme von ca. 17,3 Mio. EUR entstand auf einer Bruttogeschossfläche von ca. 8.200qm Raum für ca. 700 Schüler.

In unmittelbarer Nähe des sanierten, denkmalgeschützten Bestandsschulgebäudes an der Christian-Förster-Straße erstreckt sich der L-förmige Gebäudekomplex bis zur Troplowitzstraße und stärkt dort mit dem 2-geschossigen Sporthallentrakt den nördlichen Blockrand in Kombination mit einer angenehm proportionierten Vorplatzsituation im Straßenraum. Durch den hier definierten Durchgang zum unerwartet großzügigen Schulhof wird eine sinnfällige Nord-Süd-Querung des Blockes für Fußgänger ermöglicht. Die komprimierten Baumassen der 2- und 3-geschossigen Gebäudeteile werden geschickt um den klar definierten Innenhof gruppiert und bilden in Verbindung mit dem Bestandsschulgebäude im Süden ein gelungenes u-förmiges Gesamt-Ensemble. Der Schulhof wird zur neuen Mitte mit hoher Aufenthaltsqualität definiert.

Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus wird durch helle Ziegelfassaden mit hellen Putzflächen und dunkel abgesetzten Metalloberflächen der Fensterrahmen geprägt und vermittelt einen hochwertigen Gesamteindruck. Die Erdgeschosszone zum Innenhof erhält den Nutzungen entsprechend eine größere Gebäudetiefe und ist großzügig verglast. Für die Klassenräume in den Obergeschossen hingegen wurde eine rhythmisch ausgewogene Lochfensterfassade gewählt.   

Die klare städtebauliche Konzeption wird im Inneren des Gebäudekomplexes konsequent fortgeführt. Der Haupteingang zum Neubau liegt leicht auffindbar im mittleren Bereich des Schulhofes. Durch die Anordnung innenliegender Glasflächen werden Quereinblicke in die angrenzenden Funktionen der flexibel nutzbaren Aula und des Ganztagsbereiches mit Küche ermöglicht.

Eine zentrale Treppenanlage verbindet die öffentliche Erdgeschoßzone mit den Obergeschossen. Hier reihen sich unterschiedlich einsehbare Unterrichts- und Differenzierungsräume sowie Fachklassen in einer sinnfälligen 2-Bund-Struktur aneinander. Die Verbindungsflure werden hierbei von der Struktur des Tragwerks in Form von wandartigen Stützenpaaren rhythmisch gegliedert. Durch verschiebbare Wandelemente können Räume in Teilbereichen zusammengeschaltet werden.
Auf besondere Unterrichtsanforderungen wird architektonisch reagiert. So erhält beispielsweise der Kunstbereich eine Außenraumerweiterung als Terrassenfläche im 1.Obergeschoss.
Die übereinander liegenden Doppelsporthallen stellen einen eigenen Gebäudeabschnitt dar, der jedoch intelligent in die Gesamtanlage integriert wird und im Obergeschoss räumlich angebunden ist. Haupt- und Nebenfunktionen werden klar zoniert.

Die Wahl der Materialien im Gebäude wurde bewusst auf wenige wiederkehrende Gestaltungsthemen beschränkt. Tragende Elemente aus Sichtbeton werden weißen Wand- und Deckenflächen entgegengesetzt. Ein einheitlich hellblauer Bodenbelag durchzieht große Teile der Gesamtanlage. Dieser angemessene Materialeinsatz verleiht dem Gebäude in Kombination mit ausgewogenen, wechselnden Raumproportionen und bewusst positionierten Sichtbeziehungen eine hohe Aufenthaltsqualität. Die architektonische Umsetzung folgt dem pädagogischen Konzept der Schule und definiert ein klares Selbstverständnis eines modernen Lernumfeldes. Der leicht laborhafte Charakter der Innenräume lässt den naturwissenschaftlich-technischen Schwerpunkt der Schule erahnen.  
Die Struktur des sichtbaren Gebäudetragwerks wird konsequent mit der Raumstruktur überlagert und tritt in Form ordnender Elementen wie Stützen, Wandscheiben und Unterzügen in Erscheinung.

In der Planung der Außenanlagen zeigt sich ebenfalls eine sensible Auseinandersetzung mit der Aufgabe eines "zeitgemäß kreativen Schulbetriebes". Der großzügige Schulhof wird mit Grünflächen, Spielfeldern und Sitzmöglichkeiten intelligent gestaltet und modelliert. Durch die Ausbildung der Gebäudearkaden im Erdgeschoß wird eine angenehme Verzahnung von Innen- und Außenräumen erreicht.

Das neue Gymnasium Hoheluft stellt in jeglicher Hinsicht ein vorbildliches und zukunftsweisendes Beispiel für einen gelungenen Schulbau dar. Mit angemessenen Mitteln wurde hier unter Mitwirkung aller Beteiligten Baukultur und Lebensraum auf hohem Niveau geschaffen. Auch im Hinblick auf städtebauliche und denkmalpflegerische Belange überzeugt das Ergebnis. Das neue Gymnasium Hoheluft wird daher als "Bauwerk des Jahres 2015" ausgezeichnet.

Herzlichen Glückwunsch an den Bauherrn, an die Schule und an alle beteiligten Architekten und Ingenieure.

Dipl.-Ing. Architekt Dominik Reh, Oktober 2016

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