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Bauwerk des Jahres 2017

Erweiterung der katholischen Schule St. Paulus

 
Projekt:
Erweiterung der katholischen Schule St. Paulus
Bauherr:
Erzbistum Hamburg
Architekt:
APB. Architekten BDA, Hamburg
Tragwerksplanung:
Dipl.-Ing. Wilfried Hagen
 
Die „Schullandschaft Hamburg" hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert und
allen Schulen beträchtliche Herausforderungen abverlangt. Die Einführung erstens der
„Stadtteilschule" mit Vorschule, Grundschule und weiterführendem Unterricht bis Klasse 10, die
Forderung zweitens nach einem „Ganztagsunterricht" ist ohne eine Vergrößerung der
herkömmlichen Anzahl von Klassenräumen und ohne eine Möglichkeit zu Essen in einer
Mittagspause nicht zu realisieren.
Eine zusätzliche Forderung schafft drittens noch ein zusätzliches Problem: Die nach
„Inklusion", d.h. nach „Mitnahme" auch derjenigen Schüler und Schülerinnen, die z. B. wegen
bildungsferner Elternhäuser, nur schwierig in den „normalen" Klassenverband einzubringen
sind. Auch das braucht bauliche Konsequenzen, die in den verschiedenen Schulen zu
unterschiedlichen Lösungen geführt haben.
Die Schule St. Paulus hatte darüberhinaus noch ein viertes Problem: Die vorhandenen Bauten
sind auf dem ohnehin beengten und zwischen Wohnbauten am Öjendorfer Weg im Westen und
einem öffentlichen Parkplatz im Osten so verteilt, dass auf den ersten Blick keine Möglichkeit
für eine zusätzliche Bebauung gesehen werden konnte. Und die sollte ein umfangreiches und
unterschiedliches Programm realisieren. Zusätzliche Klassenzimmer sollten mit kleinen
Räumen für Einzelförderung ausgestattet werden, für die Pausen sollte eine Cafeteria Service
bieten. Ein Raum der Ruhe und eine Bibliothek sollen den Schülern helfen, die von Haus aus
keine Unterstützung zum Lesen bekommen können. Und dann sollte natürlich auch ein
„Gehäuse" für Feste, Ein- und Ausschulungen zur Verfügung stehen, möglichst gleichzeitig
eine Pausenhalle bei schlechtem Wetter.
Die Architekten hatten für das Hauptproblem, den beengten Platz, eine einfach scheinende,
immerhin schon einmal erprobte Idee: Sie planten parallel zu dem vorhandenen
zweigeschossigen Klassentrakt einen zweiten Riegel mit drei Geschossen. Das
Abstandsproblem konnte gelöst werden dadurch, dass mit einem verbindenden Dach aus den
zweien nun ein Gebäude wurde. Der so neu geschaffene Baukomplex strahlt in seiner Masse
allein schon Dominanz aus, so dass die bisher recht zufällig auf dem Gelände verteilten
Baukörper nun eine Mitte, ein Zentrum mit den alle Klassen verbindenden Funktionen wie eine

große Halle für Feste und Aufenthalt, mit angelagerter Cafeteria, die über sich schwebend noch
einen Platz für Gespräche und Nachdenken hat. Im hinteren Teil der Zeile sind dann noch die
Räume für Verwaltung und Lehrende angeordnet.
Im Obergeschoss sind Fachräume und weitere Klassenzimmer untergebracht. Und über allem
– auf dem höchsten Level – ist die Bibliothek platziert, mit Ausgang zu einem Dachgarten für
die vielfältigsten Nutzungen.
Das nächste Bild zeigt die Kehrseite: Ganz eng an der Grenze zu den Parkplätzen erstreckt
sich über 60 m diese sicher im einzelnen gut detaillierte Fassade. Man kann nur hoffen, dass
die Park"plätze" zu einer Park"fläche" werden – Bestrebungen dafür gibt es immerhin schon.
Die Halle, überdeckt mit einem transparenten Folienkissendach ist natürlich in erster Linie und
im Alltag Erschließungsraum für die sie umgebenden Klassen- und Fachräume. Dazu dient im
Altbau eine Galerie, die gleichzeitig Empore bei besonderen Ereignissen im Schulleben ist.
Die Wände von Alt- und Neubau sind aufeinander abgestimmt und neu so gestaltet, dass Feste
einen geeigneten Rahmen erhalten, kleine abgeschlossene „Logen" dienen im Alltag als
Förderräume, den Festsaal beleben und schmücken sie. Eine eingebaute Mulde schafft
Separierungsmöglichkeiten. Alles gemeinsam, die Höhe des Raumes und seine lichte Decke
signalisieren: Hier ist das „Forum", der zentrale Begegnungsort für die ganze Schule
geschaffen worden.
Der Architekten- und Ingenieurverein will mit dieser Auszeichnung „Bauwerk des Jahres" die
gemeinsame Antwort des Bauherren, der Nutzer – Lehrende wie Lernende – sowie der
Architekten und Ingenieure auf die durch die große Aufgabe „Umbau der Schullandschaft
Hamburg" gestellte Herausforderung würdigen. Mit dieser schließlich doch überschaubar
gebliebenen Lösung ist es gelungen, die vielfältigen und unterschiedlichen Anforderungen in
einem kompakten Baukörper zu vereinen mit Einbeziehung vorhandener Substanz, gleich einer
„Operation am lebendigen Körper ihrer Schule". Diese Operation ist gelungen, wir wünschen
dem Patienten noch ein hoffentlich langes Leben!


Gerhard Hirschfeld
Hamburg, 18.Oktober 2018


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