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Bauwerk des Jahres 2020

Wohnen im Alter + Kita für die Töllke Stiftung, Burgwedelstieg 13, Hamburg

 
Projekt:
„Haus für Alt und Jung“ der Erika und Ilse Töllke Stiftung in Hamburg-Schnelsen
Bauherr:
Haspa Hamburg Stiftung
Architekt:
hmarchitekten, Hamburg
Tragwerksplanung:
Helmut Wiemer, Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbH, Hamburg
 
LAUDATIO

Es kommt bescheiden daher, dieses „Haus für Alt und Jung" an dem sich lang hinziehenden Schleswiger Damm, mit der immer wieder sich wandelnden Bebauung – kleine Einfamilienhäu-ser aus den unterschiedlichsten Zeiten wechseln plötzlich mit mehr oder weniger gesichtslosen Geschossbauten aus jüngeren Jahren – ein wenig Grün, eben eine der vielen stark befahrenen Einfallstraßen in die Großstadt, man schmückt sie ja heute gern auf - mit dem Wort
„Magistrale".

Fast könnte man dieses kleine Ensemble übersehen, das sich zwei Geschwister, Erika und Ilse Töllke, ausgeheckt haben: Nämlich in ihrem Stadtteil, Alte und Junge, irgendwie altersbedingt hilfebedürftige und Menschen, die sich aktiv um ihre Nachbarschaft „kümmern" wollen, unter einem Dach zusammenzubringen. Und das sollte auf ihrem ererbten Grundstück geschehen. Um das auch langfristig durchzusetzen, folgte man einem in der Hansestadt bewährten Prinzip: Es wurde eine Stiftung unter der Obhut der Haspa Hamburg Stiftung gegründet, zupackende Helfer formulierten die Aufgabe und ideenreiche Architektinnen und Architekten setzten sie mit den Fachingenieuren vorbildhaft um. Siebzehn altersgerechte kleine Wohneinheiten an offenen Laubengängen entstanden so in drei Typen: barrierefrei, rollstuhlgerecht und eine „Studio"-
Variante mit zwei Zimmern. Und mit respektvollem Abstand zur Privatsphäre dieser Apparte-ments das „Töllkehaus", darin der Kindergarten „Käptn Kaninchen" mit 50 Kita-Plätzen und ei-nem großen Spielfeld vor dem Haus, das die Gebäude etwas von der Straße abrücken lässt. Dazu Räume für das Stadtteilarchiv Schnelsen und für soziale Aktivitäten, der „Sorgenden Nachbarschaft" der Albertinenstiftung und der Initiative „Augen auf" der Arbeiter-Wohlfahrt, in der sich Menschen vornehmlich um Vereinsamung im Alter kümmern. Verbunden sind beide Bereiche durch einen großen, offenen Raum für Zusammenkünfte, in dem Freud' und Leid Aller gemeinsam begangen werden kann.

Das findet alles „unter einem Dach" statt, was die Architekten wörtlich nehmen: Die roten Ziegel, die das Satteldach der Wohnungen decken, führen sie die Fassade herunter bis in den Sockel, wie bei einem Hut, dessen Krempe man bei ungemütlichen Wetterlagen über die Ohren zieht. Das ein wenig abgesetzte Dach des „Töllkehauses" mit den sozialen Einrichtungen erhält eine Metalldeckung, auch diese wird heruntergeklappt und schützt wie behütend die Längsfassade. Das Raumgebilde „Haus" wird so anschaulich zum „Behüter" seiner Bewohner. Die Giebel sind mit einer Holzverschalung versehen und verbinden so sinnfällig alle Teile des Ensembles. Der wohlfeilen Kritik an einer „Baumaterialausstellung" mag man getrost die Nutzungsvielfalt entge-genhalten, die hier zusammenführend und gleichzeitig ausdrucksstark dargestellt wird.

In den Grundrissen fallen die vielen Treppenanlagen auf. Bei näherem Hinsehen sind es tat-sächlich zwei Haupttreppenhäuser und weitere zwei, hier wohl wegen der besonderen Klientel, notwendige Außentreppen.

Alle Details vermitteln den Eindruck einer sorgfältigen Bearbeitung und liebevollen Einlassung der Fachleute in die Bedürfnisse der hier wohnenden Menschen. Zusammen damit und der nicht nur für diesen Stadtteil so wichtigen Idee der Zusammenführung von betagten Frauen und Männern sowie Kindern als Grundgedanken der Stifterinnen zeichnet der Architekten- und
Ingenieurverein dieses Bauwerk als „Bauwerk des Jahres 2020" aus, als Vorbild für eine huma-ne Stadtplanung.

Ein kleiner Hinweis zum Thema Bescheidenheit: Ich finde, die Stifterinnen Erika und Ilse Töllke hätten es verdient, irgendwo in oder an der Anlage genannt zu werden!

Gerhard Hirschfeld
Im November 2021


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