Bauwerk des Jahres - Aktuelle Preisträger
vorheriges Bauwerk 2017
nächstes Bauwerk 2017

Bauwerk des Jahres 2017

Berufliche Schule Anckelmannstraße

 
Projekt:
Berufliche Schule Anckelmannstraße
Bauherr:
HEOS Berufsschulen Hamburg GmbH & Co. KG, Hamburg
Architekt:
Architekten Wettbewerb: Prof. Carsten Lorenzen, Kopenhagen/Berlin / Architekten LP 2-5: APB. ARCHITEKTEN BDA, Hamburg
Tragwerksplanung:
WETZEL & von SEHT, Hamburg
 
Aufgrund der schlechten Haushaltslagen wurde der Schulbau in Hamburg über Jahrzehnte
vernachlässigt und ein gigantischer Reparatur- und Instandsetzungsstau aufgebaut.
Mit dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei den internationalen Vergleichen der
PISA-Studien kam das böse Erwachen und Hamburg hat wie alle anderen öffentlichen
Schulträger einen Schulentwicklungsplan aufgelegt, um der Herausforderung planvoll
begegnen zu können.
Im Jahr 2010 wurde der Landesbetrieb Schulbau Hamburg gegründet, der für ca. 400
allgemeinbildende Schulen als Gebäudeeigentümer und Manager fungiert.
Zusätzlich hat der Senat einen anderen und immer wieder sehr umstrittenen Weg in die
Öffentliche Private Partnerschaft – ÖPP für 13 Berufsbildende Schulen, die auf 8 Standorte
konzentriert werden sollen, eingeschlagen.
„Aus 4 mach 2": aus 4 Berufsbildenden Schulen für Handel und Verwaltung soll ein Berufs-
und Fortbildungszentrum für 4.000 Schüler mit 2 unabhängigen Schulen entstehen. Auf der
Grundlage der Ergebnisse eines internationalen Architektenwettbewerbes, in dem Prof.
Carsten Lorenzen den 1. Preis erringen konnte, wurde im Rahmen eines europaweiten ÖPP-
Verfahrens nach mehrjährigen Verhandlungen die HEOS Berufsschulen Hamburg GmbH &
Co.KG mit der Realisierung beauftragt.
Im Dreieck der Eiffestraße, dem Ausschläger Weg und der Anckelmannstraße auf einem
Grundstück mit ca. 19.000 m2 Grundfläche ordnen die Architekten 3 Gebäude so geschickt in
dem Baublock an, dass eine nahezu geschlossene Bebauung entsteht, die mittige Freifläche,
eine Piazza mit Durchblicken und Zugängen von den 3 Straßenzügen umrahmt.
Die Piazza rahmende Baukörperkonfiguration hat bewusst eine einheitliche, aber lebendige,
auf die inneren Funktionen hin abgestimmte Verblendfassade erhalten. Die schuppenförmige
Ausbildung bestimmter Fassadenteile und die schräg nach innen laufenden Laibungen haben
einen hohen Wiedererkennungswert und stärken identifikationsstiftend den neuen
Schulstandort. Die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen wie Unterrichtsraum,
Verwaltungsbüro oder Sporthalle prägen die Gliederungen der Fassaden. Mit Rücksprüngen
der Baukörper, offenen Arkaden und differenzierten Fensterformaten werden die

Straßenfronten gestaltet. Öffnungslose Großwände werden geschickt gebrochen und mit
Verblendstrukturen gegliedert.
Die Gebäude werden von der zentralen Piazza aus über mehrgeschossige Eingangshallen mit
großzügigen Freitreppen und raumhohen Fassaden erschlossen. Die Fassaden sind vertikal
gefaltet und erzeugen damit eine differenzierte Reflexionen des Lichtes auf die Piazza, die wie
ein Spiegelkabinett anmutet. Durch die einheitliche Verblendsteinoberfläche und die
gleichmäßigen Fensterbänder werden die Fassaden wieder eingefangen und strahlen die
nötige Ruhe aus.
Die Piazza kommt mit einer homogenen Grundstruktur aus grauen Betonsteinen den
Anforderungen der modernen Schulnutzung sehr entgegen. Es wurden kaum Hindernisse und
Stolpersteine für die unfallfreie Smartphone-Nutzung angeordnet.
Deutlich verspielter kommen die kleinen begehbaren Innenhöfe daher. Jeder mit
unterschiedlichen Grundformen gestaltet.
Dieser Schulbau besticht durch den sicheren Umgang der Architekten mit den Formen und
Proportionen. Die Einbindung in eine, von Gewerbe geprägte Umgebung ist gelungen, die
Baukörper wirken unaufgeregt und stimmig, sie vermitteln den Eindruck ihrer Aufgabe in der
Ausbildung junger Erwachsener gerecht zu werden.
Architektur ist im weitesten Sinne die handwerkliche Beschäftigung und ästhetische
Auseinandersetzung des Menschen mit dem gebauten Raum.
Baukultur beschreibt die Summe menschlicher Leistungen natürliche oder gebaute Umwelt zu
verändern.
Hier ist es gelungen durch handwerkliche und ästhetische Arbeit ein Stück Baukultur zu
erringen.
Wir beglückwünschen die Planer für diese hervorragende Arbeit und wir beglückwünschen die
Bauherren für ihren Mut, ein Schulgebäude zu bauen, das mit seiner hochwertigen Architektur
und den gewählten Materialien als Beispiel für Bildungsbauten gelobt werden kann.
Das Berufsschulzentrum für Handel und Verwaltung ist ein überzeugendes „Bauwerk des
Jahres 2017" in Hamburg.

Olaf Bielenberg
Hamburg, 18.10.2018


Aktuelle Preisträger
Bisherige Bauwerke
Preisträger 2017

Hauptzollamt in der Speicherstadt (Sonderpreis Denkmalpflege)

Die Brookinseln waren noch im Mittelalter weitgehend ungenutztes Gelände, … Mehr dazu

Wohnen an der Magistale

Der Wohnbau scheint unter den Bauaufgaben eine leichte Kategorie zu sein, … Mehr dazu

Retheklappbrücke im Hamburger Hafen

Die neue Retheklappbrücke ersetzt die in die Jahre gekommene alte … Mehr dazu

Erweiterung der katholischen Schule St. Paulus

Die „Schullandschaft Hamburg" hat sich in den vergangenen Jahren drastisch … Mehr dazu
nach oben
powered by webEdition CMS