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Bauwerk des Jahres 2018

Himmelsberg im Baakenpark (Sonderpreis „Geotechnisches Ingenieurbauwerk 2018")

 
Projekt:
Himmelsberg im Baakenpark (Sonderpreis „Geotechnisches Ingenieurbauwerk 2018")
Bauherr:
HafenCity Hamburg GmbH, Hamburg
Tragwerksplanung:
Grundbauingenieure Steinfeld und Partner Beratende Ingenieure mbB
Landschaftsarchitekten:
Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin
 
LAUDATIO

Hamburg hat gar keine Berge! Oh DOCH! Hamburg hat seit Eröffnung des BaakenParks sogar einen Berg mehr! Den Himmelsberg!
Er reicht mit seiner Höhe von 15 m zwar nicht ganz an den höchsten Berg Hamburgs, den Hasselbrack in den Harburger Bergen mit 116 m über NHN heran, wird aber weit aus prominenter und attraktiver sein bzw. noch werden. Der Himmelsberg steht in der HafenCity auf der künstlichen Halbinsel BaakenPark, unmittelbar an der Wasserkante zum Tidegewässer Baakenwerder Hafen, einem ehemaligen Hafenbecken mit Verbindung zur Elbe.
Meterhohe Hügel aufzuschütten, kennt man in der HafenCity eigentlich nur als temporäre Verdichtungsmaßnahme der organischen Weichschichten oder vom Hochwasserschutz, aber für immer ein Berg in der HafenCity? – mhhh - im BaakenPark hat man es sich getraut, einen künstlichen Berg mit abschüssiger Rasenfläche zu kreieren, der als wundervoller Aussichtpunkt, Liegewiese, Spielfläche für die Kinder oder sogar mal als Rodelberg genutzt werden kann. Es gibt also viele, tolle Nutzungsmöglichkeiten für den Himmelsberg im BaakenPark.

Ein Berg als Ingenieurbauwerk? Da darf man sich schon mal fragen, wie das eigentlich geht? Und wieso eigentlich?

Fangen wir mit dem „wieso" an.
Das Ziel bei der Gestaltung des BaakenParks war es, einen unverwechselbaren Ort mit einer starken eigenen Identität zu schaffen. Der gesamte Park weist eine markante Topografie mit unterschiedlich hohen Plateaus auf. Diese besondere Topografie findet ihren Höhepunkt in dem schiefen Pyramidenstumpf des 15 m hohen Himmelsbergs auf einer Grundfläche von 31 m x 26 m. Drei Seiten des begrünten Bergs ragen mit 65 Grad steilen Böschungen unmittelbar aus dem Wasser empor, während sich die nach Süden ausgerichtete flachere Böschung zur Landseite erstreckt und als Liegewiese einlädt. Eine landseitig in den Berg eingeschnittene Treppe führt zur Aussichtsplattform, die einen spektakulären Blick auf die Elbphilharmonie, den Baakenhafen und die östliche HafenCity erlaubt.
Den Besuchern bieten sich beim Erkunden des Parks hierdurch überraschende Perspektivwechsel und abwechslungsreiche Ein- und Aussichten.
Es ist ein unverwechselbarer Ort entstanden!

Der Himmelsberg liegt so harmlos und friedlich im Sonnenschein der HafenCity – jetzt wo er fertig ist, aber bis dahin war es nicht immer ein leichter Weg, denn auch, wenn man es jetzt nicht mehr so wahrnimmt, verbirgt sich ein geotechnischer Ingenieurbauwerksschatz im Himmelsberg.

Schon von Beginn an stand der Berg mit sich selbst in Konkurrenz „Sand oder Beton", das war hier die Frage. Gewonnen hat der natürliche Baustoff „Sand", im Nachhinein haben sich die Planer vielleicht schon mal gefragt: Mist, warum haben wir nicht „Beton" genommen, dann wäre einiges bei den Berechnungen vielleicht einfacher gewesen. Denn wie bekommt man eigentlich mit Sand eine Böschung von 65 Grad hin? Und dann noch Beeinträchtigungen durch Schiffstoß, Treibgut oder Eisgang sowie Sturmflut berücksichtigen. Und dann noch Sohlnormalspannungen eines 15-geschossigen Hochhauses beachten, in dieser Größenordnung liegt nämlich die Sohlnormalspannung an der Basis des Himmelsberges. Puh! Keine leichte Aufgabe für die Ingenieure!

Das „15- geschossige Hochhaus" hat zu Beginn der Planung durchaus Sorgen gemacht. Denn wegen der Standsicherheitsproblematik unmittelbar neben den Unterwasserböschungen war zunächst ein Stahlbetonbauwerk in Betracht gezogen worden. Doch der Ideenreichtum und die Berechnungstalente der Ingenieure führten auch zu Lösungsmöglichkeiten ohne Beton. Die Ergebnisse der Vorplanung haben bereits das Konzept einer geogitterbewehrten Konstruktion, insbesondere auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, bestätigt.

Kommen wir nun zu der Frage „wie geht das eigentlich - ein 15 m hoher Berg als geotechnisches Ingenieurbauwerk aus Sand unter diesen Bedingungen"?
Gut aufpassen, jetzt wird es technisch!
Das Grundprinzip der Konstruktion ist eine Bewehrte-Erde-Bauweise unter Verwendung hochzugfester Geogitter.

Für die zum Wasser gelegenen Steilhänge gab es mit den möglichen Beeinträchtigungen infolge Schiffsstoß, Treibgut oder Eisgang weitere Herausforderungen und natürlich auch Lösungen.
Für diese Steilhänge wurde eine redundante Bauweise mit vorgesetzten Gabionenkörben bis zu einem hochwassersicheren Niveau von NN + 8,2 m ausgeführt.

Schiffstoß, Eisgang und Treibgut waren allerdings nicht die einzigen Herausforderungen für die Konstruktion und Ingenieure, es gibt da ja auch noch diesen Lastfall Sunk, der auch noch berücksichtigt werden muss – Lastfall Sunk wird sich der ein oder andere hier im Raum vielleicht fragen, was ist das denn? Der Lastfall Sunk – er passt zur aktuellen Jahreszeit, denn nach einer Sturmflut und anschließender Ebbe ist mit einem bemessungsrelevanten Wasserüberdruck in der Konstruktion zu rechnen. Somit haben die Steingabionen in Verbindung mit einer an der Basis angeordneten Dränmatte auch die Funktion einer beschleunigten Entwässerung.

Der Himmelsberg baut sich aus 60 cm dicken verdichtet eingebauten Sandlagen auf.
An der Basis der jeweiligen Einbaulagen sind zudem Geogitter mit Hauptzugrichtung senkrecht zu den Böschungen, Umschlag an den Außenseiten und Verankerung nach innen verlegt worden.
Um die Standsicherheit auch bei einer eventuellen Beschädigung der begrünten Außenhaut bzw. der Schutzgabionen zu gewährleisten, sind die Außenbereiche aller Einbaulagen mit einem innerhalb des Geogitterumschlages angeordneten Filtervlies vor Sandaustrag geschützt.

Zur Begrünung der drei Steilhänge sind die horizontalen Schenkel vorgefertigter Stahlgitterelemente an den Drahtkörben der Gabionen befestigt und erdseitig hinter den geneigten Stahlgitterflanken vorkultivierte mehrlagige Gräsermatten auf geotextilen Trägerlagen montiert worden.

Der Himmelsberg ist eindeutig ein geotechnischer Ingenieurbauwerksschatz aus einem natürlichen Baustoff mit vielen Herausforderungen und Tücken im Detail, die mit Bravur in der Planung und Ausführung gemeistert wurden.

Es bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen:
Wo kann die Plakette für die Auszeichnung angebracht werden?
Aber ich denke, auch dafür werden die Landschaftsarchitekten einen Ort finden, wo sich die Plakette harmonisch in die Himmelsberglandschaft einfügt und die Kollegen von Steinfeld und Partner werden auch noch diesen Lastfall und das Konstruktionsdetail meistern.

Hamburg braucht mehr solcher Oasen, wo Ingenieurbau und Natur ihren harmonischen Einklang finden.

Für die großartige Idee, die Umsetzung, die vielen Berechnungsstunden und den Mut zum natürlichen Baustoff „Sand" möchten wir sehr herzlich danken und freuen uns, die Auszeichnung „Sonderpreis Geotechnisches Ingenieurbauwerk 2018" zu übergeben an:

den Bauherrn: HafenCity Hamburg GmbH
den Architekten: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH
den Tragwerksplanern: Grundbauingenieure Steinfeld und Partner Beratende Ingenieure mbB

Dipl.-Ing. Gudrun Karpa
Hamburg, im Oktober 2019

 


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