27. Oktober 2015

Nachruf Friedhelm Grundmann

von Mathias Hein

Prof. Dipl. Ing. Arch. Friedhelm Grundmann    

*24.04.1925        †27.10.2015

Friedhelm Grundmann war 2 Jahre mein Lehrer, 5 Jahre mein Vorgesetzter und 25 Jahre, bis zu seinem Tod, mein Freund und Büropartner.

Jeder, der ihn kennenlernen durfte wird mir sicher zustimmen: Er war ein Mensch, bei dem Persönlichkeit und Profession untrennbar miteinander verbunden waren. Der Mensch Friedhelm Grundmann war immer gleichzeitig auch der Architekt, der Hochschullehrer, der Publizist und Architekturhistoriker.

Dies war bei ihm schon biografisch angelegt: Als Sohn des schlesischen Landeskonservators Günther Grundmann, wohnte er als Kind in der Werkbundsiedlung von Breslau, dem Pendant zur Weißenhofsiedlung in Stuttgart

Er wuchs also in einer Umgebung und einem familiären Umfeld auf, dass schon in früher Kindheit, teilweise unbewusst, besondere Aufmerksamkeit für Bauwerke und alles was mit ihnen zusammenhing erzeugte.

Architektur studierte er unmittelbar nach Kriegsende in München. Dort lernte er u.a. bei Hans Döllgast, Robert Vorhölzer und Martin Elsässer. Seine erste Anstellung wurde ihm nach erfolgreichem Abschluss des Studiums von Werner Kallmorgen in Hamburg angeboten.

Bei Kallmorgen arbeitete er ab 1951 als angestellter Architekt 5 Jahre bis er sich 1956 mit seinem damaligen Bürokollegen Horst Sandtmann selbstständig machte.

Das Büro gewann schnell etliche Wettbewerbe, insbesondere im Bereich des zu dieser Zeit boomenden Kirchenbaus und wurde auf diesem Gebiet, u.a. durch den Wiederaufbau und die innenräumliche Neugestaltung des Doms zu Lübeck und eine große Zahl von Kirchenneubauten, über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt.

Gleichzeitig beschäftigte sich Friedhelm Grundmann schon seit 1956 mit Projekten der Hamburger Hochbahn. Dazu kamen öffentliche Bauten, Wohnungsbau, gewerbliche Bauten und Spezialaufgaben wie die Gestaltung von Orgelprospekten.  

1975 folgte er der Berufung an den Fachbereich Architektur der damaligen Fachhochschule Hamburg, an dem er als Professor für Entwerfen, Baukonstruktion und Architekturgeschichte lehrte und den er als Dekan von 1982 – 1988 leitete.

Darüber hinaus engagierte er sich in zahlreichen Verbänden und Institutionen, u.a. war er Mitglied der Freien Akademie der Künste, des Deutschen Werkbundes, des Denkmalrats der Freien und Hansestadt Hamburg, er war Vorsitzender des BDA-Hamburg und Herausgeber der Zeitschrift Kunst und Kirche.

Als Autor einer Fülle von Publikationen setzte er sich intensiv mit Fragen der hamburgischen Stadt- und Architekturgeschichte, dem Kirchenbau und der Denkmalpflege auseinander. Nebenbei war er ein begnadeter Freihandzeichner.

All dies basierte auf seiner bis zuletzt nie erlahmenden Neugier, seiner umfassenden humanistischen Bildung und einem geradezu phänomenalen Gedächtnis.

Er war eine Perönlichkeit mit ausserordentlicher Strahlkraft, mit der er in seinem langen Leben viele Menschen faszinierte und prägenden Einfluss auf sie ausübte.

Trotz all dieser außerordentlichen Talente und Fähigkeiten trat Friedhelm Grundmann nie abgehoben oder unnahbar auf. Er war seinen Mitmenschen gegenüber stets in liebenswürdiger und unkomplizierter Weise zugewandt und begegnete ihnen nicht mit altväterlicher Gelehrtheit oder bildungsbürgerlicher Betulichkeit. Seine Sprache war immer auf Verständlichkeit angelegt. Geschwollene Architektenretorik und manipulatives Wortgeklingel hatte er nicht nötig.   

Wenn er in seinen Architekturgeschichtsvorlesungen, die viele seiner Studenten – so auch ich - noch lange nach ihrem Studium aus reinem Vergnügen immer wieder einmal besuchten, z.B.  über die Renaissance sprach, war das nicht nur ein Referat über stilistische Merkmale.

Er schilderte eine solche Epoche und die sie maßgeblich prägenden Persönlichkeiten mit all ihren historischen, politischen, wirtschaftlichen und manchmal auch anekdotischen Facetten, sodass man das Gefühl hatte, er wäre selbst dabei gewesen und hätte Brunelleschi und Alberti  persönlich gekannt. Man tauchte mit ihm in eine andere Zeit ein und verstand ihren Ausdruck und ihre Formensprache in einem komplexen und spannenden Zusammenhang.

Seinen eigenen Entwürfen und Bauwerken wohnte stets eine starke individuelle Kraft inne. Dennoch fühlte er sich zuerst der Aufgabe und seinen Bauherrn gegenüber verpflichtet, denn ihm war seine Verantwortung als Architekt, dessen Bauten die Lebenswirklichkeit seiner Mitmenschen zu einem Teil beeinflussen, stets bewusst. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Denn beim Bauen gilt eben nicht die heute für alles mögliche herhaltende Floskel: „Der Weg ist das Ziel“.
Beim Bauen ist das Ziel immer das Ergebnis! Nicht in erster Linie das wirtschaftliche, sondern das, was in der Regel lange Zeit vor Augen steht und im Sinne von Vitruv dauerhaft, zweckmäßig und schön sein soll.

Neben zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen, die er für sein umfangreiches Wirken im Laufe der Jahre erhielt, war Friedhelm Grundmann seit 1996  Ehrenmitglied im DAI und im AIV-Hamburg, dem er sich immer in besonderer Weise verbunden fühlte.

Da ich weiß, dass er immer dann besonders skeptisch wurde, wenn man ihn zu sehr lobte, schließe ich an dieser Stelle meinen Nachruf und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit  



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